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Publius Terentius Afer

Adelphoe Comic, 4

Ktesipho
Sagst du meinem Vater, dass ich von hier aufs Land gegangen bin?
Syrus
Schon längst.
Ktesipho
Sobald er mich dort nicht sieht, wird er schon hierher zurücklaufen: er wird mich fragen, wo ich gewesen bin: „Ich habe dich den ganzen Tag nicht gesehen.“ Was soll ich sagen?
Syrus
Sei unbesorgt! So sanft wie ein Schaf gebe ich ihn dir zurück.
Ktesipho
Wie?
Syrus

Er hört gern, dass du gelobt wirst: Ich mache dich bei jenem zu einem Gott.

Em für dich aber!

Ktesipho
Was ist denn?
Syrus
Wenn man vom Teufel spricht ...
Ktesipho
Ist es mein Vater?
Syrus
Er selbst ist es.
Ktesipho
Syrus, was werden wir machen?
Syrus
Flieh nur hinein. Ich werde sehen.
Demea
Ich bin wirklich ein unglücklicher Mensch: zuerst finde ich nirgends meinen Bruder, außerdem aber, während ich meinen Sohn suche, sehe ich einen Tagelöhner vom Landgut: er sagt, dass dieser Sohn nicht auf dem Lande sei. Ich weiß nicht, was ich machen soll.
Ktesipho
Ich werde mich mit jener in irgendeine Kammer einschließen: das ist am sichersten.
Syrus
Sei guten Mutes!
Demea
Aber ich sehe da den Spitzbuben Syrus!
Syrus
Was ist das für ein Unglück?
Demea
Was kläfft jener? Was will er? Was sagst du, guter Mann? Was hast du?
Syrus
Du fragst? Ktesipho hat mich armen und diese Harfenspielerin fast im Streit getötet.
Demea
Weshalb?
Syrus

Er sagt, diese sei durch mich als Antreiber gekauft worden. Er hat auf nichts Rücksicht genommen.

Er hat sich nicht geschämt, einen alten Menschen zu schlagen! Ich habe diesen schon als so kleinen Jungen in meinen Händen getragen.

Demea
Ich lobe dich: Ktesipho, du schlägst dem Vater nach: geh weg, ich halte dich für einen Mann.
Syrus
Du lobst ihn?
Demea

Er hätte nichts besseres tun können. Er denkt das selbe, das ich denke, dass du der Kopf dieser Sache bist.

Aber ist mein Bruder da drinnen?

Syrus
Er ist es nicht. Ich weiß, wo er ist. Aber den Namen jenes Menschen weiß ich nicht, aber ich kenne den Ort, wo er ist.
Demea
Sag mir den Ort!
Syrus
Kennst du die Säulenhalle ... geh vorüber ... sobald du dorthin gekommen sein wirst ... geh nach rechts! Bei dem Teich selbst ist eine Werkstätte: dort ist er.
Demea
Aber zögere ich, zu ihm weiterzugehen?
Syrus
Aeschinus zögert ärgerlicherweise – Ktesipho aber ist mit Leib und Seele bei der Liebe – ich habe für mich vorgesorgt: ich werde nämlich weggehen und den Tag von hier an gemächlich Becher schlürfend verbringen.
Micio
Hegio, ich mache meine Pflicht. Ich mache den Fehler, der bei uns entstanden ist, wieder gut.
Hegio
Ich bitte dich, dass du zusammen mit mir zur Mutter des Mädchen gehst, Micio, und ihr das selbe, das du mir gesagt hast, sagst: dass dieser Verdacht wegen seinem Bruder bestehe und dass die Harfenspielerin für ihn sei.
Micio
Wenn du es so für recht hältst oder wenn es nötig ist, das es so geschieht, wollen wir gehen.
Hegio
Du machst es gut.
Aeschinus

Wah! Ich bin in einen so großen Verdacht geraten und das nicht unverdient: Sostrata glaubt, dass ich die Harfenspielerin für mich gekauft habe.

Jene alte Frau ruft: „Geh weg, geh weg, Aeschinus, du hast uns lang genug Worte gegeben, genug hast du bis jetzt unser Vertrauen enttäuscht.“
Ich hielt mich dennoch zurück, damit ich der jener schwatzhaften nichts über den Bruder sagte und das öffentlich würde.

Bis jetzt wurde gezögert: jetzt aber , Aeschinus, wach schon auf! Nun ist das das erste: ich werde zu jenen gehen, um mich zu rechtfertigen. Ich werden zur Tür gehen.

He, he! Ich bin Aeschinus: macht auf!

Micio

Macht es so wie ich gesagt habe, Sostrata! Ich werde Aeschinus treffen, damit er weiß, wie das gemacht wird.

Aber wer klopft an der Tür?

Aeschinus
Bei Herkules es ist mein Vater: ich bin verloren!
Micio

Aeschinus, hast du an die Tür geklopft?

Er schweigt. Warum verarsche ich ihn nicht ein wenig?

Aeschinus
Sag mir, Vater, was machst du hier?
Micio
Ein gewisser Freund hat mich gerade von Forum hierher geführt – um ihm Rechtsbeistand zu leisten.
Aeschinus
Was?
Micio
Ich werde es dir sagen: hier wohnen gewisse ärmliche Frauen. Wie ich meine, kennst du sie nicht.
Aeschinus
Was dann weiter?
Micio
Es ist eine junge Frau mit ihrer Mutter.
Aeschinus
Mach weiter!
Micio
Diese junge Frau ist väterlicherseits verwaist. Dieser jene Freund ist ihr nächster Verwandter: Die Gesetze zwingen diese, diesen zu heiraten.
Aeschinus
Ich bin verloren!
Micio
Er ist gekommen, um sie mit sich fortzubringen. Er wohnt nämlich in Milet.
Aeschinus
Em – um die junge Frau mit sich fortzubringen?
Micio
So ist es.
Aeschnius
Was sie selbst? Was sagen sie?
Micio
Die Mutter gibt vor, dass sie einen Junge von irgendeinem anderen Mann geboren habe, aber sie nennt nicht seinen Namen. Jener sei der erste, sie dürfe nicht diesen heiraten
Aeschinus
Eine unwürdige Tat, Vater! Wie, glaubt ihr, wird sich jener Arme fühlen wird (Was glaubt ihr, wird jener Arme für einen Seelenzustand haben), der als Unglücklicher vielleicht jene unglücklicherweise liebt, wenn er sehen wird, dass diese ihm in seiner Gegenwart entrissen wird.
Micio
Was geht uns das an, Aeschinus? Was haben wir mit jenen zu tun? Gehen wir! Was ist? Warum weinst du?
Aeschinus
Vater, ... ich beschwöre dich, ... hör mir zu!
Micio
Aeschinus, ich habe alles gehört und weiß alles. Ich liebe dich nämlich, was du machst, gereicht mir umso mehr zur Sorge.
Aeschinus
Hoffentlich liebst du mich, solange du lebst, mein Vater, damit mich das heftig schmerzt und ich mich deinetwegen schäme.
Micio

Das glaube ich, beim Herkules! Ich fürchte aber, dass du allzu unvorsichtig bist. In welchem Staat glaubst du eigentlich zu leben? Du hast eine Jungfrau geschändet, die du zu berühren kein Recht hattest. Schon dieses erste Vergehen ist groß genug, aber es ist dennoch menschlich: andere ebenso gute haben es oft gemacht.

Aber nachdem das passiert war, hast du dich nicht umgeschaut. Du hast sowohl dich als auch jene und ihren Sohn verraten. Was? Glaubtest du, dass sie Götter das für dich erledigen, während du schläfst?

Sei guten Mutes! Du heiratest!

Aeschinus
Hä!?
Micio
Ich sagte, sei guten Mutes.
Aeschinus
Vater, ich beschwöre dich, verarscht du mich jetzt?
Micio
Geh nach hause und bete zu den Göttern, damit du sie als Ehefrau herbei holst: Geh!
Aeschinus
Was? Schon als Ehefrau?
Micio
Schon.
Aeschinus
Schon?
Micio
Sobald als möglich.
Aeschinus
Alle Götter sollen mich hassen, Vater, wenn ich dich nicht mehr liebe als meine Augen.
Micio
Was? Wie jene?
Aeschinus
Gleichermaßen.
Micio
Sehr gütig.
Aeschinus
Was? Wo ist jener Milesier?
Micio
Er ist verloren, weggegangen, hat ein Schiff bestiegen. Aber warum zögerst du?
Demea

Ich bin völlig erschöpft vom Herumlaufen. Dich Syrus, mit deiner Wegbeschreibung, soll der große Juppiter vernichten. Da war weder irgendeine Werkstatt, noch hat irgendein Mensch gesagt, meinen Bruder gesehen zu haben.

Aber da sehe ich ihn!

Dich suche ich gerade, Micio. Ich bringe andere gewaltige Schandtaten jenes guten Jünglings zu dir – neue, die Hauptschandtaten.

Micio
Ich weiß.
Demea
Ah, du Dummer. Du träumst, dass ich mit der Harfenspielerin zu tun habe: Dieser Fehler ist gegen ein bürgerliches Mädchen gemacht worden. Der Junge ist geboren.
Micio
Ich weiß.
Demea
Was wird nun geschehen?
Micio

Ich habe das Mädchen schon verlobt, die Sache ist gerichtet; es wird eine Hochzeit stattfinden.

Ich trag's mit Gelassenheit. So ist das Leben der Menschen, als ob du mit Würfeln spielst: wenn jenes, das am nötigsten ist, nicht durch den Wurf fällt, musst du jenes, das durch Glück fällt, mit Kunst verbessern.

Demea
Du Verbesserer! Durch deine Kunst sind nämlich 20 Minen für die Harfenspielerin verloren gegangen. Was wirst du mit ihr machen?
Micio
Sie wird zu hause sein. - Ich treffe diese, später kehre ich hierher zurück.
Demea

O Juppiter, dieser Wahnsinn! Die Ehefrau wird ohne Mitgift kommen; die Harfenspielerin ist da drinnen; verschwenderisches Haus; der Jüngling ist vom Luxus verdorben. Der Alte redet im Wahnsinn.

Selbst wenn sie wollte, könnte Salus dieser Familie nicht helfen.


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